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Synthetische Cannabinoide

Farmako-Deal: 36 Tonnen CBD vom Tequila-Bakterium

Durchbruch: Farmako hat einen Vertrag über den Export von 36 Tonnen CBD abgeschlossen. Geschäftsführer Niklas Kauparanis (l.) und Wissenschaftschef Patrick Schmitt (r.) sehen darin einen Meilenstein für die gesamte Branche.Foto: Farmako

Berlin - Farmako hat mit seiner selbst entwickelten Cannabinoid-Synthese den ersten großen Erfolg eingefahren: Ab Ende des Jahres wird das Frankfurter Unternehmen 36 Tonnen CBD an das kanadische Cannabis-Unternehmen Zenabis liefern. Es das erste Mal, dass ein deutsches Unternehmen an ein kanadisches CBD verkauft – eigentlich ist Kanada Vorreiter und Exporteur von medizinischen Cannabis-Produkten. Doch der kanadische Markt kann seit der dortigen Legalisierung von Cannabis als Genussmittel kaum noch voll bedient werden.

Billiger, schneller und vor allem mehr: Das verspricht Farmako mit seiner frisch patentierten CBCB-Methode. Dabei verwenden die Frankfurter im Gegensatz zu anderen biosynthetischen Methoden keine Hefe, sondern laut Unternehmen ein „gentechnisch verändertes Tequila-Bakterium“. Traditionell wird bei der Herstellung von Tequila für die alkoholische Vergärung der Agaven keine Hefe verwendet, sondern das anaerobe Bakterium Zymomonas mobilis, das auch bei der Herstellung des mexikanischen Nationalgetränks Pulque – fermentierter Agavensaft – zum Einsatz kommt. Der Zymomonas-Stamm von Farmako hingegen erzeugt statt Alkohol synthetische Cannabinoide mithilfe von Traubenzucker, was eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen biosynthetischen Herstellungsverfahren mit sich bringen soll. „Anders als bei anderen synthetischen Methoden fügt unser Bakterium Zymomonas cannabinoidis dem Medium kontinuierlich und ohne Unterbrechung Cannabinoide hinzu“, erklärt Farmakons Wissenschaftschef Patrick Schmitt. So könne man auch größere Mengen erheblich günstiger produzieren.

„Die Preise für Farmakos biosynthetisch hergestellte CBD-Isolate sind unglaublich niedrig. Damit sind wir in der Lage, den schnell wachsenden kanadischen CBD-Markt mit Produkten zu beliefern, die deutlich günstiger als die der Wettbewerber sind“, zeigt sich auch Zenabis-Geschäftsführer Andrew Grieve erfreut. Das kanadische Unternehmen ist ein lizenzierter Anbauer von Cannabis sowohl für den pharmazeutischen als auch den privaten Gebrauch. Es entstand im Januar 2019 durch die Fusion des privaten Cannabisproduzenten Sun Pharm Investments mit Bevo Agro, einem der größten Pflanzenzüchter Nordamerikas.

Im Gegenzug soll Farmako aus Kanada fünf Tonnen Cannabis erhalten. Zenabis verfügt über vier Hallen- und Gewächshausanlagen, von denen drei lizenziert sind und zwei derzeit mit einer Laufleistung von 10,2 Tonnen betrieben werden – nur geringfügig weniger als die 10,4 Tonnen, die das BfArM hierzulande für das gesamte Land ausgeschrieben hat. Auf voller Kapazität könnten die Anlagen laut Farmakon jährlich etwa 479.300 kg getrocknetes Cannabis produzieren. „Wir festigen unsere Position im europäischen Cannabismarkt“, kündigt Grieve an. Zu dem Zweck hat Canopy auch über die vereinbarten Mengen hinaus ein Vorkaufsrecht, zusätzliche CBD-Isolate für den kanadischen Markt zu erwerben. Zenabis wird Farmako dann die Produktionskosten bezahlen. Zusätzlich teilen sich beide Unternehmen den Gewinn aus dem Vertrieb durch Zenabis – bis zu einem nicht näher definierten Schwellenwert gehen 60 Prozent der Gewinne an Farmako, danach noch 50 Prozent.

„Die Unterzeichnung des ersten Deals in der Geschichte für massenproduzierte CBD-Isolate durch Biosynthese mit Zenabis ist nicht nur ein Meilenstein für Farmako, sondern auch für die globale Cannabisindustrie“, erklärt Farmako-Gründer und -Geschäftsführer Niklas Koupranis euphorisch. „Als erstes europäisches Unternehmen, das CBD-Isolate an den derzeit ausgetrockneten kanadischen Markt verkauft, verschaffen wir uns einen großen Wettbewerbsvorteil auf dem globalen Markt.“

Im vierten Quartal soll die erste Lieferung an Zenabis geschickt werden. Basierend auf einem „konservativen Verkaufspreis“ erwarte man Umsätze im „hohen zweistelligen Millionenbereich“, so das Unternehmen. Allerdings strebt Farmako nach eigenen Angaben auch über die jetzt geschlossene Vereinbarung hinaus die weltweite Versorgung mit biosynthetisch hergestellten Cannabinoiden im großen Maßstab an.

Farmako hat im Februar das Patent auf seine CBCB-Methode angemeldet. Zwei verschiedene Unternehmen aus den USA halten bereits die Patente für die Produktion aus Bierhefe. Farmako verwendet nun erstmals ein Bakterium für die Biosynthese. In einem Produktionsdurchlauf können so laut Firmenangaben 900 Stunden ohne Unterbrechung Cannabinoide produziert werden. In dieser Zeit entstünden 4,5 Kilogramm THC pro Gramm Bakterienmasse. „Diese neue Methode hat das Potenzial, den weltweiten Mangel an pharmazeutischem Cannabis schlagartig zu beheben und schließt die Lücke zwischen Cannabis und Pharma“, so das Unternehmen.

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