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„Zukunftspakt“

Bestellportal: Noweda sammelt Apotheken ein

Berlin - Die Noweda hat ihren „Zukunftspakt“ mit dem Medienkonzern Burda vorgestellt und auch bei den Mitgliedern für das Konzept getrommelt. Die Apotheker werden von Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft nicht ohne Pathos aufgefordert, sich gegen die übermächtig werdende Versandkonkurrenz zu verbünden. Auch wenn es erst im Frühjahr richtig los geht, sollen sich die Apotheker jetzt schon für den Pakt einschreiben. Der Großhändler verspricht auch, dass die Teilnahme nicht teuer wird.

Das fünfseitige Schreiben an die Apotheken beginnt mit dem Warnruf: „Noch nie war das deutsche System der flächendeckenden Arzneimittelversorgung durch Vor-Ort-Apotheken so massiv gefährdet, wie es derzeit der Fall ist.“ Einen wesentlichen Anteil daran hätten die „aggressiv aus dem europäischen Ausland operierenden Arzneimittelversender“, die sich als „Online-Apotheken“ bezeichneten, aber längst nicht alle Leistungen erbrächten. Trotzdem würden die Versandkonzerne von Medien, Krankenkassen und Verbraucherzentralen bejubelt.

Die Politik sehe gleichfalls tatenlos zu, während die „unsägliche Rechtsprechung“ des EuGH es den Versendern erlaube, Arzneimittel „zu Dumpingpreisen“ zu verkaufen. Dabei agierten diese auch noch mit „unfairen Mitteln“, etwa wenn bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke“ Arzneimittel in gewöhnlichen Postpaketen verschickt würden. Das interessiere in der Politik aber niemanden, kritisiert der Noweda-Vorstand. Und das Rx-Versandverbot lasse auch weiter auf sich warten.

Im Schreiben an die Mitglieder geht es in diesem emotionalen Tonfall weiter, wenn die Wachstumszahlen der Versender präsentiert werden und die Noweda-Spitze auf eine Einschätzung der Marketingagentur Dr. Kaske verweist, wonach der Versandhandel schon 2023 einen Marktanteil von 30 Prozent haben könnte. Ganz zu schweigen vom Versandriesen Amazon, der seinen Einstieg in den vielversprechenden deutschen Markt vorbereite und bislang noch jede Branche „ohne Rücksicht angegriffen“ habe.

Nach so viel düsteren Prognosen werden die Apotheker verbal etwas in den Arm genommen und für ihre großartigen Leistungen gelobt. Jetzt müsse man gemeinsam etwas gegen diejenigen tun, die die das bestehende System rücksichtslos zerstören wollten: „Es ist an der Zeit zu handeln.“ Deshalb habe man sich mit dem Hubert Burda Medien-Verlag zusammengetan und den „Zukunftspakt Apotheke“ entwickelt. An dem Pakt können sich nicht nur Kunden des Großhändlers beteiligen, sondern grundsätzlich alle Apotheken.

Ein zentrales Element ist die Bestell-Plattform mit dem Namen „IhreApotheken“, über die Kunden sämtliche Artikel des Noweda-Sortiments auswählen können. Schon diese Sortimentsbreite von 160.000 Produkten sei ein enormer Vorteil gegenüber dem Versandhandel. Und deutlich schneller sei die Versorgung auch. „Gleichzeitig können über die Plattform aber auch attraktive bundesweite Aktionen – etwa mit Unterstützung der Industrie – durchgeführt werden“, kündigt die Noweda-Spitze an. Ein individueller Auftritt wird den Apotheken zugesagt. Nicht weiter erklärt wird die Aussage, „dass die Preisgestaltung im Wesentlichen in der Hand der teilnehmenden Apotheken liegt“.

Zweiter Bestandteil ist das Kundenmagazin „My Life“, für das Noweda ein Joint Venture mit Burda gegründet hat. Damit soll die Online-Plattform schnell beim Kunden bekannt gemacht werden. Denn alle bisherigen Online-Angebote seien „nicht in der Lage, den notwendigen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung zu generieren“ und seien bestenfalls „Insellösungen“. Ein Vorwurf, den es auch in umgekehrter Richtung gibt. My Life soll zwar schwerpunktmäßig Gesundheitsthemen beinhalten, aber auch über Reise, Kochen und Prominente informieren. In den anderen Burda-Medien hat Noweda Anzeigenflächen für die eigene Zeitschrift gebucht.

My Life gibt es bereits als Gesundheitsportal, mit allerdings noch bescheidenen Zugriffszahlen im monatlich sechsstelligen Bereich. Die Seite soll trotzdem zur Vernetzung mit IhreApotheken.de beitragen. Für das Apothekenteam soll es außerdem eine App geben, die auch zur Schulung und Qualifikation genutzt werden kann.

Wie hoch der Preis für das Gesamtpaket sein wird, ist dem Schreiben an die Apotheker nicht zu entnehmen. Nur so viel: „Bereits heute können wir Ihnen versprechen, dass dieser Preis äußerst günstig sein wird.“ Denn es gehe Noweda und Burda eben nicht darum, an einem neuen Geschäftsmodell zu verdienen, sondern die Apotheke vor Ort zu stärken. Die Mitglieder werden daher gebeten, sich am Pakt zu beteiligen, unabhängig von Anzahl und Ausrichtung der eigenen Apotheke(n). „Es kommt auf jede einzelne Apotheke an“, heißt es zum Abschluss. Jetzt werden die Gebietsleiter die Apotheken über die Details informieren. Ein Formular zur Teilnahme lag dem Schreiben allerdings bereits bei.

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