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Apo-Discounter: Zwei Zukäufe auf einen Streich

Berlin - Wieder wechselt eine deutsche Versandapotheke den Besitzer. Wieder hat Apo-Discounter zugeschlagen. Der Versender aus Leipzig übernimmt den Konkurrenten Versandapo.de von Dr. Achim Kaul.

Versandapo.de wurde 2004 von der Pelikan-Apotheke in Frankenthal/Pfalz gegründet und erlöst nach Schätzungen der Agentur Dr. Kaske rund 12 Millionen Euro Umsatz. Kaul hatte die Apotheke seines Vaters 1997 übernommen; der 1751 gegründete Betrieb war seit 1937 in Familienbesitz. Der Apotheker schreibt über sich, dass ihm aufgrund seiner Berufserfahrung in Industrie und öffentlicher Apotheke die wachsende Bedeutung des Internets für die Apotheke früh bewusst geworden sei. „Ohne besondere Kenntnisse dieses neuen Mediums starteten wir am 1.1.2004 als eine der ersten Apotheken in Deutschland das Abenteuer ‚Versandapo‘ und betreiben diese nun […] erfolgreich.“

Gestern wurden die Kunden informiert, dass die Versandapotheke ab heute „von meiner geschätzten Kollegin, der Apothekerin Frau Kirsten Fritsch“, weitergeführt wird. Fritsch betreibe seit vielen Jahren eine moderne und innovative Versandapotheke. „Sie hält für Sie ein breites Sortiment an Arzneimitteln, homöopathischen und kosmetischen Produkten sowie Nahrungsergänzungsmitteln bereit und freut sich darauf, Sie weiterhin als Kunden begrüßen zu dürfen.“

Die Kunden wurden gebeten, ihre Zustimmung zur Übertragung ihrer Kundendaten – „Name, Vorname, Anrede, Titel, Anschriften, E-Mail-Adresse, ggf. Telefonnummer, Bestellhistorie und Kundenkonto-Login“ – zu erteilen, um auch zukünftig ihren bisherigen Kundenaccount wie gewohnt nutzen zu können und die zukünftige pharmazeutische Beratung zu erleichtern. „Da wir Datenschutz und Vertraulichkeit selbstverständlich großschreiben, werden wir Ihre Daten nur dann an Frau Kirsten Fritsch übermitteln, wenn Sie als Kunde uns ausdrücklich Ihre Einwilligung zu dieser Datenübertragung erklären.“

Bereits Ende April war die Vitaapotheke übernommen worden, die bis dahin zu Peter Sarnetzki, Inhaber der Rathaus-Apotheke im niedersächsischen Wallenhorst, gehörte. Die Kunden wurden mit einem im Wortlaut gleichen Schreiben über den Wechsel informiert.

Für Apo-Discounter sind es die dritte beziehungsweise vierte Übernahme in einem Jahr. Im Frühjahr 2017 waren Internetseite und Kundenstamm des Konkurrenten Medipolis aus Jena übernommen worden. Anfang diesen Jahres folgte mit der Deutschen Internet Apotheke (DIA) der zweite Versender innerhalb kurzer Zeit.

Vor Kurzem hatte Apo-Discounter – genauer die Firma Apologistics, die weite Teile des operativen Geschäfts für Apo-Discounter abwickelt und außerdem die Marken- und Domainrechte hält – 60 Millionen Euro an frischem Kapital eingesammelt. Das Geld, für das die Familie um Tobias Hagenmeyer – bis 2015 Eigentümer des Getriebebauer Getrag – rund ein Fünftel an der Firma übernahm, soll zum großen Teil genutzt werden, um einen Express-Service für die Lieferung am selben Tag aufzubauen.

In den Anfängen von Apo-Discounter 2004 wurden rund 50 Aufträge pro Tag manuell bearbeitet. Später wurden Automaten angeschafft, 2007 wurde das Versandgeschäft ausgelagert: In Markkleeberg am anderen Ende von Leipzig wurde das riesige Logistikzentrum eröffnet, an dem mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Der Umsatz des Gesamtbetriebs – Apotheke und Versandhandel – kletterte von 10 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 53 Millionen Euro im Jahr 2013, aktuell wird er von einem Branchenkenner auf bis zu 100 Millionen Euro geschätzt. Mehr als 10.000 Pakete werden nach Firmenangaben pro Tag verschickt, überwiegend handelt es sich um OTC-Bestellungen.

Bereits 2014 hatte Apo-Discounter mit Dr. Gerhard Köhler einen ersten Geldgeber gewinnen können: Der ehemalige Banker und Großaktionär beim Fotoanbieter Orwo stieg damals mit knapp 6 Prozent bei Apologistics ein. Ebenfalls knapp 6 Prozent gehörten bis vor Kurzem Geschäftsführer Dirk Wappler. Heute ist nur noch Hagenmeyer als Investor an Bord; der Großteil der Anteile liegt bei der Holding von Firmenchef Helmut Fritsch in der Schweiz. Finanzierungspartner der ersten Stunde war Disko; die Leasingsparte von GE Capital stellte das notwendige Kapital für die Kommissionieranlage zur Verfügung.

Beobachter sehen nicht nur eine Konzentration des Marktes, sondern auch eine Ballung von Marken, die zu ein- und derselben Versandapotheke gehören und in den Suchmaschinen als solche nicht zu erkennen sind. Apo-Discounter ist außerdem unter apo.com, apotheke-online.de und apolux.de zu erreichen. Apo-Discounter.pl richtet sich an eine polnische Klientel, cn.apo.com an chinesische Kundschaft. Verkauft werden Produkte auch über Amazon und Ebay. Bereits 2010 wurde Apo-Discounter außerdem zur offiziellen Lidl-Partnerapotheke.

Die Domain Apotheke.de wird ebenfalls von Apo-Discounter bespielt, gehört aber dem Internetunternehmer Dr. Florian Korff. Der Mediziner aus Ottobrunn hatte sich in den 1990er-Jahren zahlreiche prominente Internetadressen gesichert. Einige Domains wie medizin.de betreibt Korff heute in Eigenregie, für andere wie foto.de oder immo.de hat er Kooperationsverträge mit großen Onlineshops abgeschlossen.

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