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Apotheken-Franchise

Angriff auf easy

Berlin

Wer in einem Unternehmen die Mehrheit hat, hat die Macht. Zumindest so lange die finanziellen Verhältnisse geordnet sind. Wird die Luft für die Eigentümer dünn, wittern die Gläubiger ihre Chance. Nicht selten bleibt den Anteilseignern dann nur eine Wahl: Insolvenz oder feindliche Übernahme. Am 28. Januar wurde easy-Chef Oliver Blume in den Geschäftsräumen seiner Firma in Hildesheim entmachtet.

Was im Detail dazu geführt hat, dass Blume an jenem Freitagnachmittag der Kapitalerhöhung zustimmte, die ihn erst um seine Mehrheit und dann um seinen Posten brachte, ist nicht bekannt. Weder Blume noch das neue easy-Management waren bislang für Nachfragen zu erreichen. Dem Vernehmen nach ging es um einen siebenstelligen Betrag, der beim Discounter fehlte. Das könnte auch erklären, warum Jörg Paulmann, seit den Anfangstagen Blumes Kompagnon bei easy, im November überraschend seinen Posten als Finanzvorstand niederlegte.

Doch statt einen neuen Verantwortlichen für die kaufmännischen Angelegenheiten zu benennen, stellten die Aktionäre auf der Sitzung im Januar dem easy-Vorstand - Blume und Marketingchefin Birgit Samson - eine Interimsmanagementberatung zur Seite. Über Dauer und vor allem Zweck der Beratung sollte, zwar in Abstimmung mit dem Vorstand, der Aufsichtsrat entscheiden. Dessen Vorsitz hat mittlerweile Marcus Schönhart übernommen, Statthalter des Bielefelder Textilgroßhandels Katag, der in verschiedenen Konstellationen zusammen mit Magirus etwas mehr als 50 Prozent hält.

Gegenüber APOTHEKE ADHOC stellte Schönhart klar, dass keiner der neuen Hausherren an einer feindlichen Übernahme interessiert sei. „Das ist nicht unser Ansatz. Wir sind seit Jahrzehnten am Markt, und wir arbeiten stets sehr partnerschaftlich.“ Man übernehme aber in der neuen Rolle auch eine neue unternehmerische Verantwortung. „Eingestiegen sind wir bei easy, weil wir glauben, dass die Themen Retail und Franchise zu uns passen. Wir haben ein Verständnis dafür, egal ob es sich um Fashion oder Apotheke handelt.“

Offiziell formulierte es easy gestern so: „Veränderungen im Markt, die Anzahl bereits eröffneter easyApotheken und eine veränderte Gesellschafterstruktur machen eine neue und ergänzende Aufstellung des Unternehmens notwendig.“ In den letzten Wochen seien unterschiedliche Sichtweisen über die strategische Ausrichtung zu Tage getreten. Da keine Übereinstimmung erzielt werden konnte, werde Blume easy künftig „zwar noch als wesentlicher Gesellschafter positiv und konstruktiv begleiten, allerdings dem Unternehmen als Vorstandsvorsitzender ab sofort nicht mehr vorstehen“. Angeblich hat der Firmengründer mittlerweile sogar Hausverbot.

Ob easy ohne Blume dieselbe Strahlkraft auf die 64 Mitgliedsapotheker hat, bleibt abzuwarten. Mitgetragen wird der Angriff jedenfalls von der Niedersächsischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft (NKB), eine Tochter der NBank, und der Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG). Die Fördereinrichtungen des Landes Niedersachsen beziehungsweise mehrerer großer Banken hatten im vergangenen Juni zusammen 3,1 Millionen Euro in eine stille Beteiligung investiert.

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