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Apotheker: Bedroht vom Versandhandel

Bedrohung Versandhandel: Die Österreichischen Apotheker sehen die Liberalisierung des Marktes kritisch.Foto: Elke Hinkelbein

Berlin - In Österreich verschicken bislang nur Versandapotheken aus dem Ausland Arzneimittel. Das soll sich ändern: Künftig sollen auch österreichische Apotheker Medikamente versenden dürfen. Doch die Pharmazeuten sind skeptisch. Einer Umfrage der Consulting-Firma Sempora zufolge hält die Mehrheit der Apotheker den Fall des Versandhandelsverbotes für eine Bedrohung.

Sempora hatte im Januar und Februar 57 Apotheker, 43 Pharmahersteller und 573 Patienten befragt. Die Mehrheit der Apotheker steht der Neuregelung demnach kritisch gegenüber: 54 Prozent halten den Fall des Freihandelsverbots für eine Bedrohung. 21 Prozent sehen ihn hingegen als Chance.

Die Pharmazeuten erwarten, dass rund 5 Prozent der österreichischen Apotheken eine eigene Versandapotheke betreiben werden. Fast jeder Vierte schätzt, dass der Versandhandel bis 2018 bei OTC einen Umsatzanteil von mehr als 7 Prozent erreichen wird. Dass OTC-Präparate im Versandhandel einem Preisverfall unterliegen werden, erwartet knapp jeder zweite Apotheker. 71 Prozent schätzen, dass die Deckungsbeiträge ihrer Apotheke stark unter Druck geraten werden.

Auch die Hersteller sorgen sich um ihre Gewinne: Jeder Zweite der Befragten fürchtet, dass durch das sinkende Preisniveau die Marge des eigenen Unternehmens unter Druck gerät. Dass die Preise sinken, erwarten 71 Prozent – 68 Prozent befürchten sogar einen Preisverfall von mindestens 5 Prozent.


Vier von fünf Herstellern sind überzeugt, dass vermehrt neue in- und ausländische Versender in den Markt eintreten werden. Im Gegensatz zu den Apotheken rechnen 53 Prozent damit, dass der Versandhandel zu einer Steigerung des OTC-Gesamtumsatzes führen wird.

Bei den Patienten ist die Online-Bestellung von Arzneimitteln der Umfrage zuolge schon angekommen: 30 Prozent haben bereits OTC-Präparate im Internet gekauft, 44 Prozent der Nicht-Käufer können es sich vorstellen. 47 Prozent der Patienten wären demnach auch bereit, Rezepte bei einer Versandapotheke einzulösen, wenn dies möglich wäre.

Am bekanntesten ist den Patienten die „Apotheke Österreich“, bei der 27 Prozent der Online-Einkäufer schon bestellt haben. Die Versandapotheke wird von Tschechien aus betrieben. 22 Prozent haben Arzneimittel schon einmal bei der Schweizer Versandapotheke Zur Rose bestellt. Bei der Hamburger Versandapotheke Apo-Rot haben 16 Prozent schon einmal eingekauft, bei der tschechischen VfG-Versandapotheke (Zur Rose) und der niederländischen Shop-Apotheke (Europa Apotheek Venlo) jeweils 12 Prozent.


Der Versandhandel von Arzneimitteln ist in Österreich eigentlich nicht erlaubt. Apotheken aus dem Ausland machen sich aber eine Gesetzeslücke zunutze: Denn nur österreichischen Apothekern, die dem nationalen Arzneimittelgesetz unterstehen, ist es bislang explizit verboten, Arzneimittel zu verschicken.

Die Apothekerkammer hatte versucht, vor Gericht gegen die ausländischen Versender vorzugehen – war aber gescheitert. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2012 entschieden, dass nur ein Verbot des Rx-Versands möglich sei. Im OTC-Bereich widerspreche ein Verbot dem Gemeinschaftsrecht.

Künftig sollen auch österreichische Apotheken Arzneimittel versenden dürfen. Eine entsprechende Regelung sollte ursprünglich noch in diesem Jahr in Kraft treten, wird nun aber voraussichtlich erst 2015 kommen. Der Österreichische Apothekerverband will der Konkurrenz schon jetzt entgegentreten und hat ein Bestellportal für öffentliche Apotheken entwickelt.

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