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Schweiz

Grippeimpfung in Apotheken boomt

Berlin - Während in Deutschland nach wie vor kontrovers über das Impfen in Apotheken diskutiert wird, erfreut sich das Modell in der Schweiz offenbar steigender Beliebtheit. Laut einer Studie des Schweizerischen Apothekerverbandes Pharmasuisse haben sich in der aktuellen Grippesaison fast 20.000 Kunden für eine Grippeimpfung in der Apotheke entschieden. Im vergangenen Jahr waren es noch etwas mehr als 8000 Menschen.

Der satte Anstieg von 8366 Impfungen in der Saison 2016/17 auf 19.648 in 2017/18 ist laut der Studie auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen war in der Grippesaison 2016/17 das Impfen in Apotheken ohne ärztliches Rezept in 15 Kantonen möglich, in der Saison 2017/18 bereits in 18 Kantonen. In diesem Zeitraum stieg die Zahl der Impfapotheken von 316 auf rund 470, ein Plus von 48 Prozent. Allerdings verzeichnete auch die durchschnittliche Anzahl der durchgeführten Impfungen pro Apotheke einen Anstieg um 56 Prozent. Nach Ansicht von Pharmasuisse ist das ein Hinweis darauf, dass das Angebot seitens der Kunden an Bekanntheit und Beliebtheit gewonnen hat.

„Aus der Studie wird ersichtlich, dass sich Apotheken mit der Grippeimpfung mehr und mehr als Ort der Gesundheitsvorsorge positionieren. Die Grippeimpfung stärkt zudem die Bindung zu den Kunden und leistet einen wichtigen Beitrag, um die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung zu erhöhen“, teilte Pharmasuisse-Präsident Fabian Vaucher anlässlich der Studienveröffentlichung mit.

Die Ergebnisse würden zudem zeigen, dass die Einführung des Impfangebots die Durchimpfungsrate insgesamt steigern konnte. Fast 20 Prozent der in Apotheken Geimpften ließen sich demnach zum ersten Mal gegen Grippe impfen und rund 15 Prozent aller Personen hätten sich ohne das Angebot in den Apotheken gar nicht geimpft. Damit würden Apotheken einen wichtigen Beitrag leisten, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen und damit auch gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, Säuglinge oder chronisch Kranke zu schützen, betont Pharmasuisse. Die meisten Impfungen würden jedoch nach wie vor in Arztpraxen durchgeführt. Insgesamt wurden etwa im Jahr 2016 rund 355.000 Grippeimpfungen abgerechnet.

Die Datengrundlage der Studie, die die Firma BSS im Auftrag des schweizerischen Apothekerverbands mit Unterstützung des Qualitäts- und Forschungsfonds des Tarifvertrags LOA IV durchführte, besteht eigenen Angaben nach einerseits aus Impfdaten der Apotheken (phS-net-Datenbank) der Grippesaisons 2016/2017 und 2017/2018, dem Tarifpool der Krankenversicherer sowie Daten der CSS Versicherung.

Ergänzend wurden Apotheken in den Impfkantonen mittels Online-Befragung befragt. Diese habe gezeigt, dass rund 80 Prozent aller durchgeführten Impfungen in Apotheken gegen Grippe erfolgen. Viele Apotheken bieten jedoch auch Impfungen gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Hepatitis A und B und weitere Krankheiten an. Als wichtigste Beweggründe für die Einführung des Impfens gaben die Apotheken die Verbesserung des Dienstleistungsangebots, die Positionierung in der Prävention, bessere Kundenbindung und die Erhöhung der Durchimpfungsrate an.

Als häufigste Hindernisse und Schwierigkeiten werden die als eher aufwendig empfundene Ausbildung, hohe Infrastrukturkosten und Einschränkungen durch kantonale Bewilligungen genannt. Nichtsdestotrotz wollen laut der Umfrage 30 Prozent der Apotheken in Impfkantonen, die bisher noch kein Impfen anbieten, zur Impfsaison 2019/2020 das Angebot einführen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Wie die Befragung zeigt, wünschen sich Schweizer Apotheken, dass das Impfangebot auf zusätzliche Zielgruppen, hier vor allem Personen mit gut therapierbaren Grunderkrankungen und chronisch Kranke, ausgeweitet wird.

Seit 2015 ist das Impfen in Schweizer Apotheken ohne ärztliche Verordnung möglich. Mittlerweile würden nach Angaben von Pharmasuisse über 590 Apotheken das Impfen durch speziell ausgebildete Apotheker anbieten. Mehr als 1260 Schweizer Apotheker sollen inzwischen über den Fähigkeitsausweis FPH „Impfen und Blutentnahme“ verfügen. Aktuell ist die Grippeimpfung in Apotheken ohne ärztliches Rezept in 19 Kantonen möglich. Der Apothekerverband geht davon aus, dass bereits in der Grippesaison 2019/20 die Grippeimpfung ohne ärztliche Verordnung in etwa der Hälfte der rund 1800 Schweizer Apotheken möglich sein könnte.

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