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Contra Dr. Google: App lotst in Apotheke

Berlin - Viele Patienten vertrauen auf Dr. Google, wenn sie eine Erklärung für mögliche Krankheitssymptome suchen. Doch das Internet ist keine sichere Quelle für verlässliche Diagnosen. Mit einer neuen App will die Schweizer Krankenversicherung Swica die Patienten gezielt in Arztpraxen und Apotheken lenken.

Mit Benecura hat Swica einen digitalen Symptom-Check für Versicherte veröffentlicht. Die App steht ausschließlich den eigenen Kunden ab einem Alter von 18 Jahren zur Verfügung. Für die Anmeldung zum Service sind die Angaben auf der Police erforderlich. Die Mini-Anwendung ist quasi eine Erweiterung von Santé24, der versicherungseigenen Telefon- und Online-Beratung. „Meine Gesundheit in meiner Hand“, lautet dazu der Werbeslogan.

Man wolle den Versicherten zur Selbsthilfe befähigen, sagt eine Swica-Sprecherin. Wer etwa gezielt nach Unterstützung bei Ohrenschmerzen suche, finde hier einfach, schnell und zuverlässig zahlreiche Informationen zu seinen Beschwerden. „Er kann aber auch den Symptom-Check machen.“ Die App stelle dem Patienten dann einfach verständliche Fragen zur Eingrenzung des Problems.

„Sind alle Fragen beantwortet, erhält er eine Empfehlung für ein geeignetes Vorgehen, für einen Behandlungsweg und den richtigen Ansprechpartner für ein medizinisches Problem.“ Das könne ein persönliches Gespräch mit einem Arzt von sante24 sein, ein Besuch beim Hausarzt oder dem Apotheker sowie eine Empfehlung zur Selbstbehandlung. Im schlimmsten Fall empfehle die App, sich sofort in die Notaufnahme eines Krankenhauses zu begeben oder die Notrufnummer 144 anzurufen. Zudem schlägt sie automatisch passende Ärzte, Apotheker, Therapeuten oder Krankenhäuser vor.

Zu den Features zählen laut Angaben von Swica ein Lexikon mit wissenschaftlich fundierten Definitionen von Begriffen und Krankheiten, Infos zu Medikamenten und wichtige Telefonnummern. Die App werde ständig weiterentwickelt, um neuen Kundenbedürfnissen und medizinischen Anforderungen Rechnung zu tragen. Zwischen der Idee und dem Launch sei ein Jahr vergangen. Entwickelt wurde die App von einem Expertengremium von Ärzten von sante24 und Helmedica, einem Jungunternehmen, das Software für medizinische Anwendungen bereitstellt. „Im Medical Advisory Board sind zusätzlich externe Ärzte. Je nach Beschwerdebild wurden verschiedene Experten zu Rate gezogen.“

Als Medizinprodukt sei die App zudem den Normen der entsprechenden europäischen Richtlinie MDD unterworfen. Das beinhalte „unter anderem eine klinische Bewertung und den Nachweis, dass das Produkt den versprochenen medizinischen Nutzen erbringt, die angegebenen Leistungsmerkmale erfüllt sind und keine Gefahren für den Nutzer bestehen“, so Swica. Der Datenschutz sei entsprechend des geltenden Schweizer Rechts jederzeit gewährleistet. Alle Angaben würden in einem verschlüsselten Dossier gespeichert, das nur die Versicherten einsehen könnten. Der Patient selbst entscheide im Einzelfall, ob ein bei Santé24 beschäftigter Arzt Zugriff zu den beim Symptom-Check gemachten Angaben erhalte. Sämtliche Angaben unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.

Swica betreut nach eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Versicherte und 27.300 Unternehmenskunden. Damit zähle das Unternehmen mit Hauptsitz in Winterthur zu den führenden Kranken- und Unfallversicherungen der Schweiz und betreue ein Prämienvolumen von 4,3 Milliarden Franken (etwa 3,7 Milliarden Euro).

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