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Protestaktion

Basel: Der Sarg vor der Apotheke

Berlin - Der Anblick erinnert ein wenig an die Sargmacher aus Westernfilmen: Fein säuberlich ist die Totenlade halb offen vor dem Geschäft in der Baseler Reiterstraße drapiert, geschmückt mit ein paar Blumen. Doch der Inhaber der Neubad-Apotheke will das Erdmöbel nicht feilbieten, sondern mit ihm eine politische Botschaft transportieren: „Wenn die Regierung ihre Sparvorhaben wie geplant umsetzt, können wir unsere Apotheke zu Grabe tragen“, sagt Apotheker Michael Tscheulin. Die Aktion ist sein individueller Beitrag zum „Nationalen Sammeltag“, den der Apothekerverband Pharmasuisse am 7. Mai ausgerufen hat, um Unterschriften für eine Petition gegen Reformvorhaben der Regierung zu sammeln.

Damit auch jeder erkennt, dass Tscheulin nicht vom Pharmazeuten zum Schreiner umgesattelt hat, blickt den Betrachter aus dem Sarg ein grünes Kreuz an, das Schweizer Pendant zum deutschen Apotheken-A. „Unsere Apotheke liegt hier an einem belebten Platz, deshalb haben wir überlegt, was wir machen können, um etwas Aufmerksamkeit für den Protest zu erzeugen“, erzählt er. Bei einem Dekoladen wurde er fündig: Der vermietet nämlich Särge – ebenfalls wie im Westernfilm, nur ohne Leichen. „Aber irgendwie sah der noch ein bisschen leer aus, da kam mir das grüne Kreuz in den Sinn.“

Das dient in seiner eigentlichen Verwendung ebenfalls als politisches Symbol: Es hängt im Flur der Pharmafocus-Niederlassung in Basel-Münchenstein, Tscheulins Großhändler. „Die haben es dort mit ein paar Ketten dekoriert und wollen damit symbolisieren, dass sie die Ketten der Apotheken sprengen“, erklärt Tscheulin. Die Noweda-Tochter hat sich auf die Fahnen geschrieben, der Übermacht der Ketten in der Schweiz etwas entgegenzusetzen – ein Anliegen, das auch Tscheulin unterstützt. Das Verhältnis ist gut und so zögerte der Apotheker nicht lange, bei Pharmafocus anzurufen und zu fragen, ob er sich das Kreuz für seine Aktion einen Tag leihen darf. Die umgehende Antwort: „Natürlich, super, bravo, ja, machen wir sofort!“, erzählt er und freut sich immer noch über die unkomplizierte Unterstützung.

Also wanderte das apothekerliche Hoheitsabzeichen in die Kiste. Daneben hat Tscheulin einen Tisch für die von Pharmasuisse bereitgestellten Infomaterialien und Petitionsbögen gestellt, dazu reicht er den neugierigen Passanten Kaffee und Kipferln. Mit Erfolg: Das Interesse sei groß und die Reaktionen durchweg positiv. „Es gab bisher nur ganz wenige, die die Petition nicht unterschrieben haben“, sagt er. „Die allermeisten sehen das genauso wie wir.“

Manchmal ist dabei aber doch noch etwas Überzeugungsarbeit zu leisten. Auch in der Schweiz halten sich hartnäckig die alten Vorstellungen vom wohlhabenden Apotheker, der vom Pillendrehen reich wird und doch eigentlich keinen Grund hat, gegen irgendetwas zu protestieren. „Wenn ich den Leute dann aber erkläre, dass uns hier die Luft abgedreht wird, dann verstehen sie das.“ Er habe das Gefühl, dass sich das Bild der Apotheker in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren wandelt – langsam, aber immerhin. Bei seiner eigenen Kundschaft kann er dafür mit Verständnis rechnen – das sind nämlich zum größten Teil Stammkunden.

„Wir sind eine Quartierapotheke am Stadtrand von Basel und haben eher Stamm- als Laufkundschaft“, sagt er. „Und von denen haben die meisten die Petition in den letzten Wochen sowieso schon unterschrieben.“ Tscheulin kann sich aber ohnehin Hoffnung machen, mit seiner Aktion mehr als nur die eigenen Kunden zu erreichen: Für später am Tag hat sich bereits das Lokalfernsehen angekündigt, um über seinen Sarg zu berichten.

Für die Schweizer Apotheker ist heute Großkampftag: Sie wollen landesweit Aufmerksamkeit erregen, um möglichst viele Unterschriften für ihre Petition „Auch morgen medizinisch gut umsorgt“ zu sammeln. Landesweit sind Apotheker dazu aufgerufen, heute in schwarz statt weiß in der Offizin zu stehen – auch Tscheulin ist heute schwarz wie ein Sargmacher gekleidet. Darüber hinaus hat Pharmasuisse Material an alle 1500 Mitgliedsapotheken geschickt: einen Aufsteller im A3-Format, der Petitionsbögen enthält, sowie verschiedene Infomaterialien. „Die Apotheken sind frei darin, ob und wie sie sich beteiligen. Am effektivsten ist aber natürlich die direkte Ansprache des Kunden“, erklärt eine Verbandssprecherin.

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