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Erbitterter Streit

Vermieterin lässt Apotheke versiegeln

Berlin - Weil ihr Nachfolger seine Miete nicht zahlte, kündigte Apothekerin Dr. Dorothee Knell den Vertrag für die Räume der Pelikan-Apotheke in Düsseldorf. Am Ende wurde die Offizin sogar von der Polizei versiegelt. Der vorübergehende Leerstand droht ihr zum Verhängnis zu werden: Knell muss damit rechnen, dass die 127 Jahre alte Pelikan-Apotheke für immer geschlossen bleibt. Denn das Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf lehnt eine Wiedereröffnung der Apotheke wegen fehlender Barrierefreiheit ab. Doch nun gibt sich die Stadt gesprächsbereit und will gemeinsam mit der Apothekerin nach Lösungen suchen.

Knells Familie betrieb die Apotheke mehrere Jahrzehnte lang, 2015 verkaufte sie den Betrieb an einen jungen Apotheker. Der war nach eigener Aussage zunächst sehr glücklich; sein Steuerberater habe allerdings schon damals Bedenken bezüglich der Höhe der Miete geäußert. 3300 Euro inklusive Nebenkosten sollte der Apotheker an Knell als Eigentümerin des Hauses zahlen. „Doch ich fand die Apotheke so wunderschön und war überzeugt, dass das schon funktionieren wird“, erinnert sich der Apotheker.

Doch es hat nicht funktioniert. Innerhalb von dreieinhalb Jahren ging die Zahl der Apothekenangestellten nach seinen Angaben von zehn auf drei zurück. Mehrfach habe man bei Knell wegen einer Mietsenkung vorgesprochen. Doch sie habe jedes Mal abgeblockt und auf der Zahlung der vollständigen Miete bestanden. Seit April dieses Jahres habe er keine Mietzahlungen mehr geleistet, räumt er ein.

Der Stress und die Anspannung der vergangenen Monate hätten ihn gesundheitlich so stark mitgenommen, dass er beschlossen habe, die Apotheke aufzugeben. „Ich dachte mir: bis hierhin und nicht weiter“, berichtet er. „Ich möchte nicht tot umfallen.“ Gesagt, getan. Der Apotheker kontaktierte den Großhandel und leitete die Schließung der Apotheke in die Wege. Seine Vermieterin stellte er jedoch erst am Tag der Schließung vor vollendete Tatsachen.

Just zu diesem Zeitpunkt flatterte auch die fristlose Kündigung von Knell herein. Denn bereits Ende des vergangenen Jahres habe es unregelmäßige Zahlungen gegeben, auf die sie mit Mahnungen reagiert habe, berichtet sie. Nachdem seit April gar keine Miete mehr gezahlt wurde, hatte auch sie genug.

Knell wehrt sich gegen die Vorwürfe ihres bisherigen Mieters. Die verlangte Miete sei angemessen für die eigentlich gut laufende Apotheke gewesen. Dass sie unter der Führung des Mieters in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sei, sei ausschließlich auf die „größten“ Fehler in der Betriebsführung zurückzuführen. Bereits im Juli sei der Strom ohne Veranlassung abgestellt worden, weil der Apotheker seit Monaten seine Stromrechnungen nicht bezahlt haben soll. Sie sei Zeuge davon gewesen, dass der Apotheker sogar einen Offenbarungseid leisten musste.

Auch der Apotheker gibt zu, dass er nun Insolvenz anmelden muss. Denn ein Großteil seines 380.000 Euro hohen Darlehens, das er für seinen Start als selbstständiger Apotheker von einer Bank geliehen hat, müsste nach wie vor abbezahlt werden. Sobald das Kapitel Pelikan-Apotheke abgewickelt sei, wolle er weiter als angestellter Apotheker arbeiten.

Hier könnte die für beide Seiten unerfreuliche Geschichte ihr Ende gefunden haben. Doch inzwischen läuft eine polizeiliche Ermittlung gegen den Apotheker: Er soll an dem Tag, als er seine Apotheke ausgeräumt hat, Betäubungsmittel an unbefugte Personen verteilt haben. Namentlich soll es sich dabei um das Substitutionsmittel Subutex gehandelt haben. „Wir haben seit knapp einem Jahr kein Subutex mehr im Sortiment“, versichert er. Stattdessen sei an Substitutionspatienten nur noch Buprenorphin abgegeben worden. Er ist sich daher sicher, dass seine ehemalige Vermieterin ihm eins auswischen will und deshalb die Polizei auf den Hals gehetzt hat.

Als er mit einem Mitarbeiter Abrechnung gemacht habe, sei plötzlich die Polizei mit einem Vertreter des Gesundheitsamtes aufgetaucht und habe die bereits für den Rückversand vorbereitete BtM-Kiste konfisziert. Er bekomme sie zurück, wenn die Ermittlungen abgeschlossen seien, sollen die Beamten versprochen habe. Am nächsten Tag habe er noch seine restlichen Sachen aus der Apotheke holen wollen, doch da hing schon ein anderes Schloss an der Tür, zudem sei die Apotheke polizeilich versiegelt worden. Seitdem habe er keinen Zutritt zur Apotheke wegen Verdunkelungsgefahr.

Doch regelmäßig sehe er seine Vermieterin, die sich in den eigentlich versiegelten Räumen der Apotheke aufhalte und Interessenten herumführe, echauffiert sich der Ex-Mieter und vermutet darin eine Straftat. Doch Knell winkt ab. Sie habe selbstverständlich bei der Polizei nachgefragt. Dort habe man ihr als Eigentümerin des Hauses erlaubt, durch den Seiteneingang in das Haus und die Apotheke zu gehen. Zu den übrigen Vorwürfen ihres ehemaligen Mieters bezüglich BtM möchte die Apothekerin keine Stellung nehmen und verweist auf die polizeilichen Ermittlungen.

Sie selbst hat nun Probleme mit der Behörde. Denn mit den drei Stufen vor dem Eingang zur Offizin erfüllt die Pelikan-Apotheke die Anforderungen der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) nicht. Nach § 4 Absatz 2a muss die Offizin einen Zugang zu öffentlichen Verkehrsflächen haben und barrierefrei erreichbar sein. So steht es auch in dem Ablehnungsbescheid des Gesundheitsamtes der Stadt Düsseldorf. Nachdem Hobler seine Betriebserlaubnis Mitte Juni zurückgegeben habe, könne sich Knell nun auch nicht auf den Bestandsschutz berufen. Das Klingelsystem vor Ort erfülle diese gesetzliche Vorgabe nicht. Menschen, die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, müssten ohne Hilfestellung in die Räumlichkeiten gelangen können.

„Ein barrierefreier Zugang zur Pelikan-Apotheke ist aus baulichen und baurechtlichen Gründen nicht oder nur mit sehr großem Aufwand herzustellen“, steht in dem Schreiben. Fraglich sei allerdings, ob solche Umstände eine Ausnahme begründen könnten und eine Abweichung von der Soll-Regelungen rechtfertigten. Würde bei jeder Neueröffnung – und als solche sieht die Stadt ja die Wiedereröffnung der Pelikan-Apotheke an – die bauliche Unmöglichkeit oder baurechtliche Unzulässigkeit grundsätzlich eine Ausnahme rechtfertigen, würde die beabsichtigte Regelwirkung weitgehend leerlaufen, argumentiert die Behörde. Daher könne eine Erlaubnis zum Betrieb der Apotheke nicht erteilt werden.

Im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC relativiert der zuständige Fachreferent im Dezernat für Gesundheit, Michael Dimitrov, die restriktiven Aussagen zumindest etwas. „Wir suchen intensiv nach Lösungen, wie die rechtlichen Auflage, an die wir nun einmal gebunden sind, erfüllt werden können“, sagte er. An der Tatsache, dass es sich formal gesehen um eine Neueröffnung handele, könne man allerdings „nicht rütteln“ und sich auf den Bestandsschutz berufen. Zudem werde Barrierefreiheit aus guten Gründen eingefordert. Es sei außerdem zunächst einmal die Aufgabe der Apothekerin zu prüfen, wie die Auflagen erfüllt werden können. Dazu müsste sie unter Umständen Experten hinzuziehen.

Knell selbst sagt jedoch, dass der Umbau des Haupteingangs wegen darunter befindlichen Kellergewölbes nicht möglich sei. Für eine Rampe mit einer angemessenen Steigung sei allerdings der Bürgersteig vor der Apotheke schlicht zu schmal. Zudem sei die fehlende Barrierefreiheit noch nie ein Problem gewesen. Mit einem Kinderwagen würde man die Stufen leicht überwinden. Wenn ein Kunde im Rollstuhl kam, habe er klingeln können, argumentiert Knell. Sie habe sich sogar überlegt, an dem Nebeneingang, der bisher als Zugang zu den Wohnungen über der Apotheke und als Lieferanteneingang fungiert, einen Plattformlift zu installieren. „Das ist allerdings teuer, ragt weit heraus und danach steht der Kunde zunächst einmal im Backoffice“, erläutert die Apothekerin. Der Lift würde genauso wenig genutzt wie die mobile Rampe, die es früher unter ihrer Leitung gegeben habe, ist sie überzeugt.

Nach dem breiten medialen Echo wurde bereits für den kommenden Montag ein Treffen anberaumt, bei dem sich die Zukunft der Pelikan-Apotheke entscheiden könnte. Es werde eine rasche Lösung angestrebt, versicherte Dimitrov.

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