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Wie geht das mit den Influencern?

Du sollst keine Liebe kaufen!

Authentisch bleiben: Viviane Wilde findet, dass Influencer-Kampagnen oft neben der Spur sind. Dabei wäre es so einfach...Foto: Andreas Domma

Berlin - Viviane Wilde rockte die VISION.A-Bühne – die Medienökonomin teilte den Apothekern und Vertretern der Pharmabranche mit: „Du sollst keine Liebe kaufen!“ Vor allem dann, wenn es im Internet um das Thema Influencer geht.

Wie geht das eigentlich mit den Influencern? „Das sind doch die, die 1,5 Millionen Follower haben und dann einen Badeschaum machen“, warf Wilde provokant in die morgendliche Runde. Irgendwelche pickeligen Teenager, die aus ihrem Kinderzimmer heraus Millionen verdienen. „So haben wir das gelernt, aber das sind keine Influencer“, so Wilde. Sie präsentierte Kylie Jenner als erfolgreichstes Beispiel, die 2015 ihre erste Kosmetikfirma gründet und 2016 damit mehr als 300 Millionen Euro Dollar Umsatz gemacht hatte. Keine Kunst, wenn man zu den Kardashians gehört?

„Theoretisch kann das jeder“, so Wilde. „Ich höre oft, dass Unternehmer sagen, wir hätten das auch gern, haben aber kein Budget dafür.“ Ihre Devise: „Sie brauchen das auch nicht. Was Sie brauchen, sind richtige Ideen und die richtigen Leute.“ Aber auch da hapert es oft, denn nicht immer sind die, die vorgeben, die Experten zu sein, dann auch den Aufwand wert. Eine bewährte Idee: „Schauen Sie sich in Ihrem Unternehmen um, wer vielleicht schon Influencer ist.“ Er oder sie ist zumindest dann schon mal viel auf Facebook und Instagram unterwegs und kennt im Idealfall die Anforderungen. „Influencer Marketing ist mehr als nur Blödsinn, Filterblasen und Katzenbilder“, sagt Wilde.

Man müsse sich das so vorstellen wie eine Gartenparty. Online eben. „Die Themen reichen von Belanglosigkeiten bis zu Politik und Ethik. Wir tun online nichts anderes, aber komplett demokratisiert.“ Als gutes, weil nachvollziehbares Beispiel nennt sie eine fiktive Nachbarin: „Wenn die mir ein Medikament empfiehlt, glaube ich ihr. Sie haftet nämlich mit ihrem gesamten sozialen Kapital.“ Wirkt der Hustensaft nicht, ist Wilde enttäuscht. „Glaube ich meiner Nachbarin, fragt allerdings der Apotheker, warum ich nicht gleich zu ihm komme, denn schließlich ist er doch der Profi.“ Die Antwort: Weil er nicht da war, um einen Tipp zu geben.

Hier setzt gutes Influencermarketing an. Der Apotheker muss dafür sorgen, dass der potenzielle Kunde gleich bei ihm nachfragt. Liebe, siehe oben, sollte man nicht zu kaufen versuchen. „Jeder kann heute Content kreieren, senden und empfangen.“

Anders ausgedrückt: Wie kommt der Apotheker in die Unterhaltung hinein? Dafür ist es wichtig, seine Zielgruppe zu kennen. „Die Zielgruppen-Portfolios in Werbeagenturen kennen nur schöne Menschen, die viel Geld haben, sehr down to earth und vegan sind. Ich frage mich oft: Wo bitte sind diese Menschen? Menschen, die hässlich sind, nichts können und kein Geld haben, gibt es in diesen Portfolios nicht.“ Mit diesen fiktiven Menschenpools soll – so stellen sich das viele vor – dann Reichweite erzielt werden, denn das ist bei Social Media, wie in der klassischen Werbung, die Maßeinheit für Erfolg. In Wirklichkeit seien Menschen mit einer glaubhaften Geschichte erfolgreich.

Die besten Tipps für den Anfang im Influencer-Marketing: Man kann entweder selbst Influencer werden, das erfordert aber Know-How. Denkbar wäre die Einrichtung eines Youtube-Kanals, dazu die üblichen Basics wie Facebook und Instagram. Weg 2 ist die Einbindung vorhandener Influencer. Die packt man bei ihrem Geschäftssinn und ihrer Eitelkeit. „Das Grundmotiv fürs Posten ist die Selbstdarstellung“, erklärt Wilde. Als perfektes Beispiel für Influencer Marketing nennt sie den Podcast „Nie gehört“ von GeloRevoice. Dort begibt sich Katjana Gerz auf die Suche nach außergewöhnlichen Menschen, präsentiert skurrile Jobs, ungewöhnliche Hobbies und absurde Stimmen. So geht Influencer-Marketing. Auch ganz ohne Katzen.

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