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Stellenanzeigen

„Der Bewerber sucht die Apotheke aus“

Berlin - Knapp, kreativ und kennzeichnend: Apotheker können mit der richtigen Stellenanzeige gezielt nach geeigneten Mitarbeitern suchen. Wo in der Branche Nachholbedarf besteht und was in einer Annonce nichts zu suchen hat, erklärt Christina Seitter von der Personalberatung Müllerschön.

ADHOC: Brauchen Apotheken Nachhilfe bei Stellenanzeigen?
SEITTER: In Branchen mit Fachkräftemangel müssen Betriebe bei der Personalsuche umdenken. Längst suchen nicht mehr die Inhaber die Mitarbeiter, sondern die Bewerber die Apotheke aus. Apotheken müssen das Anforderungsprofil auf die wichtigsten Eigenschaften reduzieren und die Anzeige so offen wie möglich gestalten. Nur so erreicht man möglichst viele Interessierte. Das heißt, welche Eigenschaften sollte der neue Mitarbeiter unbedingt mitbringen?

ADHOC: Klingt toll, aber wie?
SEITTER: Farbige und kreative Stellenanzeigen wecken rein optisch Interesse. Eine bunte und große Annonce kostet vielleicht mehr, bringt aber vielleicht schneller Erfolg. Ein Foto des künftigen Teams oder der Leitung verankern einen persönlichen Bezug. Apotheker müssen zielgruppenorientiert denken und sich interessant und attraktiv darstellen.

ADHOC: Was ist der größte Fehler in einer Stellenanzeige?
SEITTER: Soft Skills wie Teamfähigkeit und soziale Kompetenz abzufragen, sind tabu und nehmen nur Platz weg. Der Inhaber verrät dadurch, was er später im Bewerbungsgespräch prüfen will. Der Chef bekommt keine ehrliche Antwort, da der Bewerber weiß, worauf der Apotheker Wert legt. Soft Skills sind für Interessenten außerdem kein Entscheidungsmerkmal, da keiner von sich sagen würde, er sei nicht sozial kompetent oder teamfähig.

ADHOC: Was schreckt Bewerber ab?
SEITTER: Überladene Anzeigen sind nicht ansprechend. Wenn ich eine ganze Litanei sehe, habe ich keine Lust, diese zu lesen. Die Anzeigen müssen auch nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschrieben sein: Beide Geschlechter müssen angesprochen werden, was aber heutzutage meist Standard ist. Arbeitnehmer sollten außerdem kein bevorzugtes Alter angeben. Auch Fähigkeiten, die man nachschulen kann wie Office-Kenntnisse, sollten weggelassen werden. Dadurch schreckt man vielleicht einen sonst geeigneten Kandidaten ab. Die Zeiten, in denen Apotheken nach der eierlegenden Wollmilchsau suchen können, sind vorbei.

ADHOC: Was gehört in die Stellenanzeige?
SEITTER: Die Apotheke soll sich kurz und prägnant unter dem Gesichtspunkt „Warum würde ich hier arbeiten wollen?“ vorstellen. Dazu können ein flexibles Arbeitsmodell, übertarifliche Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten oder die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gehören. Wichtig sind auch Alleinstellungsmerkmale wie ein Homöopathie-Schwerpunkt. Im Anforderungsprofil sollten nur die absoluten Must-haves stehen. Natürlich darf auch der Anzeigentitel wie PTA oder das Logo der Apotheke nicht fehlen. Auch das Eintrittsdatum sollte genannt werden.

ADHOC: Wo sollten Apotheken eine Stellenanzeige schalten?
SEITTER: Wird auf Online-Portalen geworben, muss man wissen, nach welchen Schlagworten der potenzielle Bewerber sucht. Über das Internet spricht man viel mehr Menschen an, die Anzeigen sind außerdem länger verfügbar und günstiger. Die klassischen Print-Annoncen sterben aber nicht aus. Die Menschen schauen weiterhin in Zeitungen, Amts- und Wochenblättern nach offenen Stellen. Heutzutage sollten Arbeitnehmer auf jeden Fall offen für Online-Bewerbungen sein. Apotheker sollten am besten E-Mails und postalische Anschreiben akzeptieren. Gerade junge Leute haben keine Lust auf eine Bewerbungsmappe.

ADHOC: Wie seriös sind Anzeigen in sozialen Netzwerken?
SEITTER: Das ist immer abhängig von der Zielgruppe. Offene Stellen bei Facebook zu veröffentlichen ist nicht unseriös. Wichtig ist, dass die sozialen Netzwerke gepflegt werden und aktuell sind. Auch auf der Internetseite der Apotheke sollte auf die freie Stelle hingewiesen werden. Dadurch zeige ich, dass ich in Zeiten der Digitalisierung mithalten kann und mein Betrieb modern ist.

ADHOC: Was, wenn sich niemand bewirbt?
SEITTER: Aufgeben ist keine Lösung. Wenn man keine Bewerber kriegt, muss man an allen Fronten aktiv werden. Dazu gehört auch, sich in Schulen sowie bei Sommer- und Straßenfesten zu präsentieren. Apotheken sind für die Gemeinde wichtig und sollten zeigen, dass sie etwas Besonderes sind. Wichtig sind auch interne Veranstaltungen wie Betriebsausflüge oder Sommerfeste. Dadurch steigert die Apotheke die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Ein gutes Image hilft auch bei der Suche nach Fachkräften.

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