Navigation
Berufsqualifikation

Apotheker-Sprachtests zu lasch

Missverständnisse nicht ausgeschlossen: Testanbieter kritisieren, dass die beschlossenen Sprachprüfungen für Heilberufler uneinheitlich und nicht standardisiert seien.Foto: Elke Hinkelbein

Berlin - Die Gesundheitsminister haben Ende Juni einen bundesweit einheitlichen Rahmen für Sprachtests für ausländische Heilberufler beschlossen. Damit sollen Missverständnisse zwischen Patient und Behandelndem ausgeschlossen werden. Die Telc, ein Tochterunternehmen des Deutschen Volkshochschul-Verbands, kritisiert nun das Eckpunktepapier „mit Empfehlungscharakter für die Länder“. Die vorgesehenen Prüfstellen hätten keine sprachwissenschaftliche Expertise, die Prüfungszeit sei zu kurz und die Bewertungskriterien von Land zu Land beliebig.

Laut der Gesundheitsminister sollen ausländische Antragsteller eine Fachsprachenprüfung ablegen, je nach Land bei der zuständigen Approbationsbehörde oder der Kammer. Der bestandene Test wird bundesweit als Sprachnachweis anerkannt. Mindestens zwei Prüfer nehmen die Prüfung ab, mindestens einer davon muss Fachexpertise haben und Muttersprachler sein.

Die Qualität der Patientenversorgung könne mit dem beschlossenen Prüfverfahren nicht gesichert werden, so eine Telc-Sprecherin. Der skizzierte Sprachtest sei ungeeignet, die Deutschkenntnisse zugewanderter Mediziner oder Apotheker zu überprüfen. Weiterhin würden die Bundesländer entscheiden, wie schwer oder leicht der Test sein solle und wie die Leistung der Prüflinge zu bewerten sei. So kämen völlig unterschiedliche Schwierigkeitsgrade in den Ländern zustande.

Zudem sei es methodisch fragwürdig, die Allgemeinsprache und die Fachsprache getrennt zu bewerten. Fachsprachliche Äußerungen würden von einem Gerüst von Allgemeinsprache getragen, das eine sei ohne das andere nicht denkbar.

Außerdem ist die Prüfungszeit mit dreimal zwanzig Minuten aus Sicht der Telc deutlich zu kurz. Um sicherzustellen, dass ausländische Ärzte sicher im Berufsalltag agierten, müssten alle Fertigkeiten „objektiv und fair“ geprüft werden. Dazu gehören Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben; das Leseverstehen werde aber in dem Test vollkommen ausgeklammert, kritisiert die Telc-Sprecherin.

Unklar seien auch die Bewertungskriterien: „Unabhängiger linguistischer Sachverstand ist nach dem Beschluss keine Voraussetzung, um dem vorgeschlagenen Prüfungskomitee anzugehören“, so die Telc.

„Dass Ärzte, die noch nicht einmal Deutsch als Muttersprache beherrschen müssen, Sprachkompetenzen bewerten, ist in etwa so, als ob Sprachwissenschaftler eine medizinische Diagnose vornähmen.“ Die Bewertung müsse von Sprachexperten vorgenommen werden.

Die Telc hat selbst eine standardisierte Fachsprachenprüfung für ausländische Ärzte „telc Deutsch B2-C1 Medizin“ und Pfleger „telc Deutsch B1-B2 Pflege“ entwickelt. Diese werden seit Herbst 2013 angeboten und kosten etwa 150 beziehungsweise 110 Euro.

Die 3,5-stündigen Tests seien in Zusammenarbeit mit Ärzten entwickelt worden. Bisher seien diese die einzigen standardisierten Deutschtests für medizinische Fachkräfte, die deutschlandweit von Behörden anerkannt würden, so die Telc-Sprecherin. Die Prüfer bildet das Unternehmen selbst aus, rund 600 gibt es bereits.

Ein ähnlicher Test für Apotheker sei denkbar. Die Telc will nun Gespräche mit den Ländern und Apothekern aufnehmen und Potenziale prüfen. „Wir befinden uns in der Findungsphase“, so eine Sprecherin. In Deutschland ist die Telc nach eigenen Angaben Partnerin der Bundesregierung für die Sprachprüfung für Integrationskurse.

APOTHEKE ADHOC Debatte

zur Übersicht

Meistgelesene Artikel

    Aktuelle Termine

    Aktuelle Termine zu Veranstaltungen, Messen, Kongressen, Ausbildung und Seminaren.

    Zu den Terminen