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Aktion gegen Plastikmüll

Apotheker: Pillen in der Pfandflasche

Berlin - Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt immer mehr Apotheker. Konsumieren ohne Plastik ist nicht nur im Alltag kaum möglich. Auch in der Offizin gehen täglich zahlreiche mehrfach verpackte Produkte über den HV-Tisch. Apotheker Norbert Veicht will dies ändern – wenigstens bei Körperpflegeartikeln bietet er jetzt Alternativen an. Beim Arzneimittelsortiment sei dies schwierig, sagt der Inhaber der Antonius-Apotheke im niederbayerischen Massing.

Die Zahl der verpackungsfreien Läden ist überschaubar – der Trend, auf Plastik zu verzichten, breitet sich nur schleppend aus. Apotheken verzichten wie andere Einzelhändler vielerorts bereits auf Plastiktüten. Das geht Veicht nicht weit genug. „Wir haben schon länger in der Familie versucht, unseren Plastikverbrauch zu reduzieren.“ Doch das sei für interessierte Kunden auf dem Land angesichts mangelnder Alternativen schwieriger als in der Stadt. In Niederbayern listet die Umweltschutzorganisation BUND lediglich in Passau einen Laden auf, in dem Verbraucher unverpackte Waren einkaufen können.

Seinen persönlichen Umweltgedanken besprach der Pharmazeut auch mit seinem Team. „Wir haben besprochen, ob es für die Apotheke ein Weg wäre.“ Mehrere Vorschläge seien eingegangen, gemeinsam mit den Mitarbeitern bietet Veicht Alternativen an. Seit einem Monat gibt es in der Antonius-Apotheke einen extra Verkaufstisch im Freiwahlbereich. Dort stehen verschiedene Pflegeartikel, die plastikfrei eingekauft werden können.

Aktuell werden Zahnputztabletten von Denttabs der gleichnamigen Berliner Firma angeboten. Die Produkte kommen bei ihm jedoch nicht wie vom Hersteller beworben in biologisch abbaubaren Tüten daher. „Ich bezweifle, ob kompostierbare Beutel funktionieren“, so Veicht. Er hat eine große Menge geordert und füllt die Tabletten stattdessen in Pfandflaschen mit Korkverschluss ab.

Auch Duschgel und Shampoo muss nicht in Plastikverpackungen gefüllt sein: Veicht verkauft Haarseifen des deutschen Herstellers Klarseifen. „Die haben gute Produkte“, sagt er. Auch eine Rasierseife, Pflaster und ökologische Zahnbürsten liegen auf dem Warentisch. Bei letzteren setzt er auf Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen von TePe. Die Bürsten werden laut Herstellerangaben zu 95 Prozent klimaneutral produziert. „Sie sind besser als Bambus-Zahnbürsten, weil die von weit weg kommen.“

Der Aktionstisch sei für Kunden deutlich erkennbar, sagt Veicht. In der Lokalpresse und in den sozialen Medien warb er für sein Projekt. „Es läuft langsam an, braucht aber Zeit“, sagt er. Sein Engagement werde „durchaus positiv“ bewertet. Zudem trage es zur Imagepflege der Apotheke bei, auch bei Kunden, die die Produkte nicht kauften. Das Angebot soll ausgeweitet werden: „Ich bin weiter auf der Suche nach neuen Produkten.“ Auch an eine selbsthergestellte Pflegelinie hat er bereits gedacht, doch die Pläne sind bisher an der praktischen Abfüllung und den Kosten gescheitert.

Bisher beschränkt sich Veicht auf den Pflegeartikelbereich. Bei klassischen Arzneimitteln werde es schwieriger, allein wegen der Sicherheitsbestimmungen, sagt er. Dennoch sei es bei Tabletten grundsätzlich denkbar, aus Bulk-Verpackungen Tabletten abzuzählen. Vom Verblistern hält er jedoch nichts: „Das ist massiver Müll.“ Statt Schläuche müssten wiederverwendbare Medizinboxen eingesetzt werden.

Der Apotheker spricht Hersteller und Außendienstmitarbeiter aktiv auf das Thema und Alternativen an. „Die Reaktionen sind sehr zurückhaltend.“ Es gebe sogar eine Gegenbewegung: Wegwerfartikel wie fertig gemischte Tagesrationen an Vitaminpräparaten würden als „schick und sexy“ beworben. Zudem stellten eigentlich ökologisch bemühte Hersteller wie Wala Behälter der Hauschka-Produkte von Glas auf Plastik um. „Die Industrie trägt eine Mitschuld“, so Veicht.

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