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Festbeträge

Medac: MTX-Pen ohne Aufzahlung

Aufatmen trotz Festbetrag: Medac meldet für seinen MTX-Pen den Preis auf Festbetragsniveau anzugleichen. Und sichert so tausende Therapien. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Die Einführung einer Festbetragsgruppe für parenteral anzuwendende Methotrexat-Präparate wird seit Längerem heftig diskutiert. Dennoch ist diese beschlossene Sache. Seit dem 1. September ist der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgesetzte Festbetrag bindend. Patienten können dennoch aufatmen, denn Medac meldet für den Pen keine Aufzahlung.

Der Widerstand war groß. Der Deutsche Psoriasis Bund, Medac und die Deutsche Rheuma Liga versuchten mit aller Kraft die Einführung einer einheitlichen Festbetragsgruppe für alle parenteral zu applizierenden MTX-Präparate zu verhindern. Der G-BA hatte bei der Bildung der Festbeträge, das Applikationssystem außen vor gelassen. Somit wurden Durchstechflaschen, Fertigspritzen und Autoinjektoren in einen Topf geworfen. Der Deutsche Psoriasis Bund zeigte sich empört. „Es ist völlig absurd, dass der G-BA bei der Bildung von Festbeträgen das Applikationssystem gänzlich ausblendet und dabei sogar in Kauf nimmt, dass mehrere tausend körperbehinderte Menschen mit deformierten Fingern und Händen von einer wichtigen Therapieoption abgeschnitten werden.

Die Experten sahen Festbetragsaufzahlungen auf die Patienten zukommen. Medac meldete den Fertigpen oder bestimmte Wirkstärken und Packungsgrößen zum ermittelten Festbetrag nicht mehr wirtschaftlich anbieten zu können. Die Herstellungskosten variieren je nach Applikationssystem.

Vor allem betroffen wären Patienten mit Psoriasis vulgaris, Psoriasis Arthritis oder Rheuma. Für diese Patientengruppen ist der Pen oftmals die einzige Möglichkeit den Wirkstoff applizieren zu können. Ein Aufziehen der Spritze sowie das Setzen der Injektion sind aufgrund von versteiften Fingergelenken nicht möglich. Der Deutsche Psoriasis Bund (DPB) sah die Patientengruppe diskriminiert, denn ihnen bliebe nur die Möglichkeit aufzuzahlen oder die wichtige Therapieoption zu verlieren. Die Wirkung durch parenterale Applikation sei stärker und zudem in Bezug auf gastrointestinale Nebenwirkungen den Tabletten vorzuziehen. In Deutschland leben laut Angaben des DPB etwa 15.000 Menschen mit Psoriasis-Arthritis und weitaus mehr mit Rheumatoider Arthritis.

Nun vermeldet Medac eine erfreuliche Nachricht. „Fertigspritzen und Fertigpens mit dem Wirkstoff Methotrexat werden ohne zusätzliche Kosten für die Patientinnen und Patienten angeboten.“ Das Unternehmen wird eine Preisanpassung an den Festbetrag für die Autoinjektoren und Fertigspritzen vornehmen.

Hans-Detlev Kunz, Geschäftsführer des DPB, ist froh, dass die Patienten die „Entscheidung des G-BA nicht ausbaden müssen“ und spricht von einer „ökonomisch freundlichen Entscheidung der Firma“. Dennoch bleibe das Grundproblem bestehen – die absurde Entscheidung des G-BA alle Applikationssysteme über eine Kamm zu scheren und den Verlust der Therapieoption für mehrere tausend Patenten in Kauf zu nehmen. Zudem fürchtete der DPB, dass die Hersteller den Fertigen aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit gar ganz aus dem Programm nehmen könnten. Laut DPB verwies der G-BA darauf, „dass von den Firmen keine Unterlagen eingereicht worden seien, nach denen eine bestimmte Patientengruppe allein auf den Pen angewiesen wäre“.

Der GKV-Spitzenverband legt auf Basis des G-BA-Beschlusses und den gesetzlich vorgegebenen Berechnungsmethoden den Festbetrag fest. Dieser orientiert sich am unteren Drittel des Durchschnittspreises der einbezogenen Medikamente. Der Festbetrag muss so hoch sein, dass mindestens ein Fünftel der Verordnungen und Packungen der Festbetragsgruppe nicht über dem Festbetrag liegt. So sollen genügend Arzneimittel unter Festbetragsniveau verfügbar bleiben. Im Anschluss können die Hersteller entscheiden, ob sie die Preise ihrer Medikamente auf Festbetragsniveau angleichen.

MTX ist ein Folsäure-Antagonist und hemmt kompetetiv das Enzym Dihydrofolat-Reduktase und somit die DNA-Synthese. Der Zellzyklus wird unterbrochen und Tumorzellen können sich nicht vermehren. Dem Wirkstoff werden immunsuppressive und entzündungshemmende Eigenschaften zugesprochen. Indiziert ist das Arzneimittel, das als Tablette und Injektion im Handel ist, bei onkologischen Erkrankungen wie akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Im nicht-onkologischen Bereich kommt der Wirkstoff beispielsweise zur Behandlung einer Psoriasis oder rheumatoider Arthritis zum Einsatz. Patienten wird während der Behandlung einmal in der Woche ein Folsäurepräparat empfohlen.

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