Tipps vom Experten: Prof. Tomas Jelinek über die richtige Vorbereitung auf die schönste Zeit im Jahr

Die Gesundheit verdient ein ebensolches Augenmerk wie die exakte Planung des Traumurlaubs. Vor Reisebeginn können Experten für Reise- oder Tropenmedizin dabei helfen, die optimale Malariaprophylaxe auszuwählen. Zusätzlich geben die Spezialisten auch Tipps zum Verhalten am Urlaubsort.

Prof. Dr. med. Tomas Jelinek ist Medizinischer Direktor des BCRT Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reise- und Tropenmedizin Düsseldorf, Lehrbeauftragter der Universität zu Köln (Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene), Consulting Expert der WHO und Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. (Quelle: http://www.bcrt.de/32-0-Tomas-Jelinek.html)

Herr Professor Jelinek, Sie beraten jedes Jahr Reisende vor Aufenthalten in malariabetroffenen Gebieten zur Krankheitsprophylaxe. Welchen zeitlichen Vorlauf müssen die Reisenden einplanen?

Idealerweise kommen die Reisenden vier bis sechs Wochen vor der Reise in die Beratung. Dann ist genügend Zeit, um alles in Ruhe zu besprechen und eventuelle Vorsorgemaßnahmen zu treffen, wie zum Beispiel Malariarezepte ausstellen und das Mittel auf mögliche Nebenwirkungen zu testen. Reisende mit chronischen Erkrankungen sollten für eine gute Vorbereitung ein halbes Jahr vor der Reise in die Beratung kommen, besonders wenn sie abwehrschwächende Medikamente nehmen. Davon abgesehen ist eine Last Minute Reise keine Ausrede, auf eine reisemedizinische Beratung zu verzichten. Zur Not kann man auch eine Woche vor der Abreise über wichtige Dinge wie Mückenschutz und Malariaprophylaxe sprechen. Das ist dann natürlich aber nicht optimal.

 

Wie lange muss man ungefähr auf einen Termin warten? Ist eine Beratung auch kurzfristig möglich?

Das kann ich nicht für alle reisemedizinischen Zentren pauschal beantworten. Es hängt vom Reisemediziner ab, zu dem man gehen will.

 

Wie läuft ein solches Beratungsgespräch normalerweise ab?

Die Reisenden sollten einen genauen Überblick über ihre Reise haben. Hilfreich ist es auch, den Impfpass mitzubringen. Bei Vorerkrankungen oder Medikamenten, die man dauerhaft einnehmen muss, sollte man eine Liste der entsprechenden Medikamente dabei haben und wissen, warum man sie einnimmt.

 

Welche Fragen tauchen während der Beratung von Seiten der Reisenden häufig auf?

Ein zentrales Thema in der Beratung ist der Mückenschutz, da viele Krankheiten von Mücken übertragen werden. Diese Risiken kann man auch bei der Malaria mit geeigneten Verhaltensmaßnahmen in den Griff bekommen. Wir sprechen darüber, wie man sich vor Stichen schützen kann, ob eine Dauermedikation (Chemoprophylaxe) notwendig ist oder ob ein Notfallmedikament in der Reiseapotheke ausreicht. Wir reden auch über die Verträglichkeit der Medikamente. Viele Reisende interessieren sich auch dafür, was sie in ihre Reiseapotheke einpacken sollten und wie sie diese am besten transportieren. Generell möchten die Reisenden Details zu den Gesundheitsrisiken am Reiseziel erfahren. Je nach aktueller Medienberichterstattung – hier sind Ebola und das Zika-Virus gute Beispiele – fragen sie nach Erkrankungen, die in den Medien präsent sind. Wir versuchen dann auch ein stückweit das Weltbild wieder gerade zu rücken, z.B. wenn Länder bereist werden, in denen die Krankheit gar nicht vorkommt. Wir weisen in der Beratung auf relevante Risiken für die Reisenden hin, die wirklich mit der jeweiligen Reise zu tun haben.

 

Welche Fragen stellen Sie den Reisenden besonders häufig, die in die Beratung kommen?

Wir stellen grundsätzliche Fragen zur Gesundheit und zur Reise, zum Beispiel „Wann geht es los?“, „Wo geht es hin?“, „Wie ist die Reiseroute?“ usw., hierzu füllen die Reisenden ein Formular mit den wichtigsten Fragen aus. Dabei geht es auch um weitere Risikofaktoren wie Unverträglichkeiten. Wir müssen auch wissen, ob kürzlich erst Impfungen durchgeführt wurden, denn manchmal passt da etwas nicht mit den Maßnahmen, die wir planen.

 

Aus Sorge vor Nebenwirkungen verzichten manche Reisende vielleicht auf eine prophylaktische Medikamenteneinnahme, da sie befürchten, ihr Urlaubserlebnis könne getrübt werden. Wie können Sie diese Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Verträglichkeit zerstreuen?

Zum einen wissen wir aus Studiendaten, wie häufig Nebenwirkungen auftreten können. Zum anderen haben wir – auch selbst – eine Menge praktischer Erfahrungen mit diesen Medikamenten und wissen, wie man ihre Verträglichkeit verbessern kann. Bei manchen Malariamitteln hilft es, wenn man sie z.B. nach dem Abendessen auf vollen Magen einnimmt. Der Hinweis ist natürlich keine Garantie, dass das Mittel gut vertragen wird. Das weiß man erst, wenn man es in einem Testlauf vor der Reise probiert hat, damit man unterwegs keine unangenehmen Überraschungen erlebt.

 

Können Sie kurz den Unterschied zwischen Chemoprophylaxe und Notfallmedikation erklären?

In der Malariaprophylaxe gibt es zwei grundsätzliche Vorgehensweisen. Bei der Chemoprophylaxe nehmen die Reisenden durchgehend Tabletten ein, um zu verhindern, dass die Krankheit ausbricht. Das machen wir, wenn das Erkrankungsrisiko am Reiseziel hoch ist. Das andere ist, dass wir den Reisenden ein Notfallmittel für den Fall mitgeben, dass sie tatsächlich Malaria bekommen. Das machen wir, wenn das Risiko, an Malaria zu erkranken, an sich sehr gering ist, aber eben nicht gleich Null.

 

Welches Fehlverhalten von Seiten der Reisenden ist Ihrer Erfahrung nach vor, während oder nach der Reise in malariagefährdete Gebiete vermeidbar?

Das vermeidbarste Fehlverhalten ist, wenn Reisende nach dem Urlaub Beschwerden haben und zu spät zum Arzt gehen. Wir klären im Beratungsgespräch über malariaverdächtige Beschwerden auf. Das Wissen sollte dafür sorgen, dass Reisende dann schnell Hilfe suchen, weil eine Malaria lebensgefährlich sein kann und häufig auch ist. Ein weiteres typisches Fehlverhalten ist es, wenn wir zu einer Chemoprophylaxe raten und diese nicht wie besprochen durchgeführt wird. Im Falle eines mitgegebenen Notfallmedikaments ist es falsch, das Mittel im Notfall nicht einzunehmen. Oft schützen sich Reisende nicht richtig gegen Mücken – ein Fehler, den Männer häufiger machen als Frauen. Natürlich ist es lästig, wenn man sich immer eincremen muss, aber es reduziert das Erkrankungsrisiko deutlich.

 

Was raten Sie Reisenden in malariagefährdete Gebiete allgemein? Haben Sie zentrale Tipps?

Vor allem ist es wichtig, überhaupt zur Beratung zu gehen – auch, wenn die Reise sehr kurzfristig ansteht. Wir möchten die Reisenden keinen unnützen Maßnahmen unterziehen, sondern sie vernünftig beraten und über die für ihre Reise relevanten Risiken aufklären. Reisende können schon von einfachen Verhaltenstipps sehr profitieren. Der nächste Tipp ist, dass die Reisenden diese Tipps auch befolgen und allgemein auf Hygiene achten. Und sie sollten mit ihrem Arzt ehrlich besprechen, was sie bereit sind, gegen die Malaria zu unternehmen. Denn was nützt das wirksamste Mittel, wenn man schon im Voraus weiß, dass man es nicht nehmen möchte?