Navigation
Personalmangel

Nur eine von zwei Landapotheken gerettet

Berlin - Im niedersächsischen Sachsenhagen musste die einzige Apotheke schließen. Steffen Burckhardt, ein Apotheker aus dem Nachbarort, hätte sie zwar gerne als Filialapotheke betrieben, konnte aber keinen Approbierten als Leiter finden. So konnte der Pharmazeut nur die Glückauf-Apotheke in Lindhorst, die nach dem Tod des Vorbesitzers eigentlich zusammen mit der Sachsenhagener Apotheker verkauft werden sollte, übernehmen.

 

Ende Mai schlossen sich die Türen der Sachsenhagener Apotheker nach 308-jähriger Geschichte. Wenn nicht doch noch ein kleines Wunder geschieht, müssen sich die Einwohner der Ortschaft mit rund 1900 Einwohnern endgültig damit abfinden, dass sie sich entweder auf den Weg in die Apotheken in den benachbarten Gemeinden machen oder die neu eingerichtete Rezeptsammestelle nutzen müssen.

Dabei hätte Burckhardt, der in Steinhude bereits die Anker-Apotheke besitzt, die traditionsreiche Apotheke gern übernommen. Doch er konnte keinen Approbierten als Filialleiter finden. Die Arbeitslosenquote bei Apothekern betrage „0,0 Prozent“. Außerdem wolle, ähnlich wie bei den Ärzten, kaum jemand aufs Land, sagte der Pharmazeut.

Deshalb konnte der Apotheker nur die Glückauf-Apotheke im mit rund 4300 Einwohner mehr als doppelt so großen Nachbarort Lindhorst übernehmen. „Mir tut das ja auch sehr leid für die Sachsenhagener“, sagt der 41-Jährige. „Aber die kleine Apotheke rechnet sich leider nur als Filialapotheke.“

Erschwerend komme hinzu, dass die Ärzte im Ort bereits Mitte 60 seien. Auch sie hätten bisher keine Nachfolger in Sicht. Dabei sei die kleine Apotheke in einem besonderen Maße auf Rezepte angewiesen. „Mit Kosmetikverkäufen kann man hier den Umsatz nicht erhöhen“, verdeutlichte Burckhardt. Dennoch wäre der Pharmazeut grundsätzlich bereit, die Apotheke in Sachsenhagen zu betreiben: „Vorausgesetzt wir finden einen Approbierten, wäre es unter Umständen darstellbar, die Apotheke beispielsweise von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr als Filiale wieder zu eröffnen.“

Den Wünschen der Sachsenhagener, doch die Apotheke in Lindhorst zu schließen und dafür die in Sachsenhagen weiter zu betreiben, musste der Apotheker deshalb eine Absage erteilen. Gegen die vereinzelten Vorwürfe, ihm würde es nur um den Profit gehen, wehrt sich Burckhardt. „Bei allem Verständnis für die Situation: Eine Apotheke muss sich einfach rein betriebswirtschaftlich rechnen“, sagt er.

Die Schließung der Apotheke traf die Sachsenhagener unvorbereitet. Denn eigentlich hatte der Vorbesitzer, Jan-Christoph Goepfert, erst vor sechs Jahren die Apotheke in Sachsenhagen und die Glückauf-Apotheke von seinem Vater Günter Goepfert übernommen. 2016 verstarb der Apotheker jedoch überraschend mit nur 38 Jahren. Der 80-jährige Senior suchte anschließend ein Jahr lang nach einem Interessenten für die beiden Apotheken, war dabei aber nur teilweise erfolgreich.

Bürgermeister Ralf Hantke will sich weiter dafür einsetzen, die bislang einzige Apotheke in seinem Dorf zu erhalten. Es fehle nun ein Stück Grundversorgung, sagte er der Zeitung Schaumburger Nachrichten. „Wir legen ihm einen roten Teppich aus“, verbildlichte der Bürgermeister die Hoffnung auf einen neuen Apotheker.

Bis dahin können die Sachsenhagener auf die rund sechs Kilometer entfernte Glückauf-Apotheke ausweichen. Zumal sie dort viele bekannte Gesichter sehen würden. Denn Burckhardt hat das gesamte Team der Sachsenhagener Apotheker übernommen.

Zusätzlich richtete der Apotheker in der Nähe des Rathauses eine Rezeptsammelstelle ein, die zweimal täglich – morgens und nachmittags – von den Mitarbeitern der Glückauf-Apotheke geleert wird. Die Medikamente sollen die Patienten dann ebenfalls zweimal täglich per Lieferservice bekommen.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

zur Übersicht